Tag 157,
Fiji
Aus der Reise Laos, Vietnam, China, Australien, Neuseeland, Französisch Polynesien 2025/26
Eintrag 94 von 99
Während ich am Flughafen warte, überlege ich mir, dass es von Bora Bora fast genauso weit nach Honolulu ist wie nach Auckland, oder wie von Hamburg auf die Kapverden. Eigentlich wollte ich noch Samoa und Fiji mit in meine Rundreise einbinden, aber aufgrund der Flugverbindungen und -preise habe ich mich für eines der beiden Ziele entschieden und das ist Fiji, was ja in Deutsch Fidschi heißt. Der einheimische Name wäre Viti. Auch die Reise von Pape’ete auf die Hauptinsel Viti Levu hat es in sich. Nicht nur der Abflug mitten in der Nacht, sondern es ist auch kein Direktflug, sondern mit einem Zwischenstopp in Auckland. Anstatt 3500 Kilometer ist die Strecke somit 6250 Kilometer lang. Direktflüge gab es mal, aber aktuell leider nicht, auch nicht nach Samoa. Auch war es nicht möglich, den Flug online zu buchen. Ich habe das am Flughafen von Nelson über das Air New Zealand Hotline-Telefon erledigt. Andernfalls hätte ich zwei separate Flüge buchen und dann in Auckland den Transitbereich verlassen müssen, was das ziemlich kompliziert gemacht hätte. Bedauerlicherweise verliere ich auf dem Flug nun den Tag, den ich beim ersten Überqueren der Datumsgrenze gewonnen hatte, wieder. Fiji ist seit 1970 unabhängig, aber man hat trotzdem bis heute den Union Jack in der Flagge gelassen. Fiji ist ja auch keine einzelne Insel, sondern ein Archipel bestehend aus 332 Inseln. Davon sind aber nur 110 bewohnt und die beiden Hauptinseln Viti Levu und Vanua Levu bilden 90 % der Gesamtfläche. Knapp 1 Million Einwohner hat das Land. Die Hauptstadt Suva ist im Südosten von Viti Levu. Ich fliege allerdings nach Nadi im Osten der Insel. Damit ich flexibel bin, habe ich mir zwar ein Auto gemietet, aber die riesige Insel werde ich während meines kurzen Aufenthalts nicht umrunden. Einmal rundherum sind circa 500 Kilometer. Ständig wechsele ich bei den Stationen meiner Reise zwischen Rechts- und Linksverkehr. Ein Euro entspricht ungefähr 2,5 Fidschi Dollar. Der Zyklon Vaianu, der in Kategorie 3 eingestuft wurde, ist gerade erst vor ein paar Tagen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 km/h an der Insel Richtung Neuseeland vorbeigezogen.
Ein schöner Blick auf die Südwestküste zeigt im Vordergrund die Natadola Bay mit dem kleinen Dorf Sanasana und der vorgelagerten Navo Island. Das Dorf ist umgeben von dem 5 Sterne InterContinental Hotel und einem 18-Loch-Golfplatz, der direkt ans Meer angrenzt. Es sind nur noch wenige Minuten bis zur Landung in Nadi.
Die Mietwagenübergabe findet um 14:30 Uhr mal wieder auf dem Parkplatz des Flughafens statt und ich muss nur 80 € als Sicherheit hinterlegen, die ich bei der Rückgabe wiederbekomme. Ein ziemlich geringes Risiko also für mich. Man sieht gelegentlich noch abgeknickte Palmen oder Blechdächer, die irgendwo in der Wiese liegen, aber im Großen und Ganzen war die Zerstörung durch den Zyklon zum Glück nicht so groß. Bezüglich der Einwohnerzahl von Nadi gibt es im Internet so viele verschiedene Zahlen, aber die Einwohnerzahl wird vermutlich irgendwo zwischen 50000 und 100000 liegen. Ich wohne 15 Minuten entfernt vom Flughafen in einer „Gated Community“, die Fantasy Island heißt und scheinbar noch nicht so lange existiert. An der Zufahrtsstraße ist ein Wächterhäuschen mit einer Schranke. Es reicht aber scheinbar, beim Vorbeifahren zu winken, eine Kontrolle gibt es da nicht. Vielleicht wird sich das in Zukunft noch etwas ändern. Das Apartment würde locker für 4 Personen reichen und hat alles, was man braucht. Es sind nur 5 Minuten mit dem Auto bis ins Zentrum. Dort gibt es auch eine ATM der Bank of Baroda (öffnet in neuem Tab). Das ist die einzige Bank, bei der keine Gebühren fällig werden und bei der man bis zu 1500 FJD (knapp 600 €) abheben kann. Bei anderen Banken werden 4 bis 6 Euro Gebühr pro Abhebung fällig. Ich schaue mich noch etwas in der kleinen Stadt um und kaufe ein paar Lebensmittel ein.
Dann koche ich mir etwas im Apartment und schaue einen Film auf dem großen Flatscreen und genieße ein Lager Bier der lokalen Marke ⚹Bitter⚹. Das fidschianische Wort für Bier kann man sich leicht merken: „bia“ 🙂
Am Morgen schaue ich mich auf dem Markt um. Dort gibt es neben Taro-Bündeln für 30 FJD (12 €) auch die Kava Wurzeln, die zu Pulver zerkleinert werden und dann, in ein Tuch eingewickelt, in kaltem Wasser circa 10 Minuten durchgeknetet werden. Trinkt man die lehmig-braune Flüssigkeit, die hier Yaqona genannt wird und traditionell in der Schale einer halben Kokosnuss (Bilo) serviert wird, dann führt dies zu muskulärer Entspannung, innerer Ruhe und Stimmungsaufhellung, ohne die geistige Klarheit stark zu beeinflussen. Kurz nach meinem Marktbesuch wird mir in einem Souvenirladen auch gleich ein Drink angeboten. Aus hygienischen Gründen lehne ich jedoch, mit dem Hinweis auf mögliche Magenverstimmungen, ab.
In der Stadt gibt es auch einen großen Hindutempel, den Sri Siva Subramaniya Temple. Es ist der größte Hindutempel in der südlichen Hemisphäre. Zum 100-jährigen Geburtstag von TISI Sangam in 2026 wurde alles neu bemalt.
Der Rotsteißbülbül ist auf Fiji eine invasive Art, die eigentlich vornehmlich in Indien heimisch ist. Weil die anpassungsfähigen Vögel Früchte, Obst und Blüten schädigen und Konkurrenten der heimischen Arten sind, versucht man überall auf der Welt sie wieder loszuwerden.
Der nächstgelegene Strand bei Fantasy Island ist der Wailoaloa Beach. In Reisekatalogen würde man den vermutlich als ruhig und naturbelassen bewerben. Hier wird jedoch klar, dass die Bilder, die man von diesen Reisezielen vor Augen hat, oftmals nur etwas vorgaukeln. Die teuren, luxuriösen Resorts mit schneeweißem Sandstrand, einem Longdrink auf einer Liege im Schatten der Palmen und mit Blick auf das türkisfarbene Wasser gibt es natürlich. Sobald man diesen kleinen Bereich der heilen Welt verlässt, sieht die Realität ganz anders aus. Das Einzige, was hier am Strand liegt, ist eine gestrandete Segeljacht und Treibholz. Ein paar Einheimische, mit denen ich mich kurz unterhalte, sind gerade dabei, das Boot auszuschlachten.
Der Tourismus auf Fiji hat sich nach Covid-19 gut erholt und die Besucherzahlen sind mittlerweile mit über einer Million Besuchern höher als davor. Aufgrund der Nähe zu Australien kommen die meisten Besucher von dort.
Ich fahre noch zum knapp 10 Kilometer entfernten Denerau Island. Das ist auch keine Insel, sondern ein Resort mit Luxushotels, Golfplatz, einer Marina für die Yachten und einer luxuriösen Wohnanlage. Von dort starten sowohl beliebte Tagestouren zu den vorgelagerten Inselgruppen Yasawa und Mamanuca als auch die Transfers für Gäste, die ihre Unterkunft auf einer der Inseln haben. Alternativ gibt es aber auch einige kleine Flugplätze auf den Inseln. Im Hafen von Denerau gibt es auch etliche Restaurants und Shopping Möglichkeiten. Ich buche mir auch eine Tour für übermorgen.